Säugetiere
Aus Wissen gegen Minen
Die Ausführungen auf dieser Seite sind stark angelehnt an "Alternatives of Landmine Detection" Jacqueline MacDonald et.al, RAND report, ISBN 0-8330-3301-8, Document Number: MR-1608-OSTP, Year: 2003. Für die Verwendung der englischen Fassung liegt die Erlaubnis von RAND vor.
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Hunde und Ratten
Vergleiche auch Hunde und Ratten
Beschreibung
Teams mit Minensuchhunden begleiten schon lange die Bemühungen der manuellen Minensuche. Momentan sind zum Beispiel mehr als 200 Minensuchhunde in Afghanistan im Einsatz. Diese Hunde können unter guten Bedingungen von Wetter und Bodenfeuchtigkeit in 95% der Arbeitszeit Minen aufspüren.
Hunde haben einen sehr feinen Geruchssinn, der auf ihre ursprünglichen Bedürfnissen der Futtersuche, der Bestimmung der Reviergrenzen und der Erkennung von Feinden zurück geht. Mit Hilfe einer Belohnung durch Futter oder Spiel können Hunde auf die Minensuche konditioniert werden. Sie signalisieren, wenn sie eine Mine aufgespürt haben. Während der Minensuche laufen die Hunde mit der Nase zum Boden den Hundeführern voraus und machen „Sitz“ bei der ersten Witterung einer Mine. Dann kommt ein manueller Minensucher und durchsucht das Gebiet mit einer Sonde.
Bei einer anderen Anwendung, bekannt als „Remote Explosive Scent Tracing mode“ (Geruch von verstreutem Sprengstoff nachspüren) schnüffeln die Hunde an Filterpapieren, die Gase von in der Nähe vermuteten Minen enthalten können. Wenn der Hund erkennt, dass ein Filter solche Sprengstoffgase enthält, sucht der Minensucher die Gegend nach Minen ab, wo der Filter eingesammelt worden war. Bis jetzt sind Hunde in der Lage, Sprengstoffgase von noch geringer Konzentration zu erkennen, als die von den besten chemischen Sensoren gemessenen. Somit ist die Untergrenze, bei der Hunde noch Konzentrationen wahrnehmen können, unbestimmt.
Eine aktuelle Studie zeigte, dass verfügbare laboratorische, chemische, analytische Verfahren noch weit von der Empfindlichkeitsgrenze eines Hundes entfernt sind. Trotzdem versuchte diese Studie, die Detektionsschwelle dieser Hunde durch die Verdünnung von Bodenproben, die mit Sprengstoffgasen verschiedener Konzentrationen kontaminiert waren, zu bestimmen. Dabei war eine Substanz zehn mal und die andere hundert mal geringer konzentriert als das derzeitige chemische Detektionslimit. Die Forscher testeten bei drei verschiedenen Teams ausgebildeter Hunde (eins aus den USA, eins aus Angola, eins aus Norwegen) die Fähigkeiten, Sprengstoff in verschiedenen Verdünnungen zu identifizieren. Dabei fanden sie heraus, dass nur sehr wenige von den Hunden die Proben, die schätzungsweise 10-16g/ml TNT oder DNT enthielten, richtig erkannten.
Die Kondition der Hunde variiert jedoch. Sie ist individuell vom Hund abhängig, von der Qualität seiner Ausbildung und in welcher Weise die Ausbildung erneuert wurde. Des Weiteren scheint die Arbeit der Hunde, die in dieser Studie verwendet wurden, durch Umweltbedingungen beeinflusst zu sein, die mit dem Testgebiet und den Versuchsabläufen zusammenhängen. Beispielsweise wurde mindestens einer Gruppe von Hunden eine Bodenprobe als „clean“ gegeben, die versehentlich mit TNT verunreinigt war.
Als Alternative oder als Ergänzung zu der Verwendung von Hunden haben Forscher der Universität von Antwerpen afrikanische Riesenbeutelratten zur Minensuche ausgebildet. Ebenfalls durch die Belohnung mit Futter werden Ratten darauf konditioniert, das Vorhandensein von Sprengstoffen mit Kratzen oder Scharren an der Bodenoberfläche anzuzeigen. Es wurde mit Feldversuchen mit Ratten begonnen.
Stärken
Hunde arbeiten außergewöhnlich gut in vielen Szenarien und unter vielen verschiedenen Bedingungen. Der Geruchssinn von einigen, aber nicht allen Hunden ist höher als der von den besten momentan verfügbaren mechanischen Detektionsmethoden. Die Vorteile bei der Verwendung von Ratten schließen die Möglichkeit ein, dass sie in großer Anzahl angewendet werden können und dass sie nicht schwer genug sind, um eine Mine auszulösen, was wiederum das Verletzungsrisiko minimiert.
Einschränkungen
Die Leistungsfähigkeit von Hunden hängt stark vom Individuum, seiner Ausbildung und den Fähigkeiten des Hundeführers ab. Des Weiteren muss die Ausbildung regelmäßig wiederholt werden, da Hunde durch den falschen Einsatz von Belohnungen verwirrt werden können. Eine weitere Einschränkung stellt die zu suchende Sprengstoffkonzentration dar. Wenn Hunde auf die Suche von hohen Sprengstoffkonzentrationen trainiert sind, finden sie nicht automatisch auch viel niedriger konzentrierte Sprengstoffe. Dazu bedarf es einer speziellen Ausbildung.
Wie auch bei andern Methoden, die auf der Gasdetektion basieren, wird auch die Leistung von Minensuchhunden durch Umwelt- oder Wetterbedingungen beeinträchtigt. Diese können nämlich dafür sorgen, dass Gase von der Mine wegdiffundieren, oder dass die Gaskonzentration selbst für Hunde nicht mehr aufspürbar ist. Ratten haben ähnliche Einschränkungen.
Zusammenfassende Bewertung
Nachgewiesenermaßen sind Hunde leistungsfähige Minensucher. Jedoch sind weiterführende Untersuchungen ihrer Geruchsleistung notwendig, die vom Hund selbst und seiner Ausbildung abhängig ist. Erst dann sind die Faktoren zu verstehen, die die Zuverlässigkeit dieser Methode beeinflussen. Zusätzlich muss die Gas- und Partikelsignatur der Mine im Feld weiter untersucht werden, um überhaupt das Leistungspotenzial von Hunden zu verstehen. Zusätzliche Forschungen zur Minensuche mit afrikanischen Riesenbeutelratten scheinen gerechtfertigt.