Minenräumung

Aus Wissen gegen Minen

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Inhaltsverzeichnis

Beschreibung zum Artikel

Dieser Artikel umfasst eine generelle Übersicht zum Thema des Minenräumens und entsteht auf der Grundlage der eigentlichen Aufgabe. Es sollte beschrieben werden, wie man Minenräumer wird und welche internationalen und regionalen Bildungsmöglichkeiten es gibt. Da die Beschreibung der eigentlichen Ausbildung überall sehr ungenau oder gar nicht beschrieben ist, wurde der Artikel auf die Informationen rund um das Minenräumen ausgeweitet.

Charakteristik und Aufgaben

Unter der Berufsbezeichnung Minenräumer wird vor allem die Aufgabe der Suche und Entschärfung von im Boden verbliebenen Minen, aus militärischen Konflikten, verstanden.[1] Dabei gestaltet sich die Räumung von Minen, im Gegensatz zu ihrer Verlegung, als sehr schwierig und kostenintensiv. Asymmetrische Konflikte, wie etwa Bürgerkriege, hinterlassen besonders gefährliche Minenfelder. Diese werden bei ihrer Verlegung selten kartographiert und besonders großflächig und ungezielt eingesetzt. Dabei erfolgt ihr Einsatz oft in zivilen Gebieten.

Da es bei der Verlegung von Minen üblich ist, verschiedene Minenarten zu mischen, wird die Minenräumung erschwert. So können Minenräumpanzer nicht gefahrlos in ein Feld von Anti-Personenminen fahren und menschliche Minenräumer können nicht ungefährdet Panzerminen entschärfen. Diese werden durch das Gewicht des Menschen zwar nicht ausgelöst, jedoch wird ihre Räumung durch umliegende Sicherungsminen, Aufnahmesicherungen und Sprengfallen erschwert.[2]

Minenortung

Um die im Boden versteckten Minen zu finden, müssen verschiedene Methoden angewandt werden. Dabei ist die manuelle Suche mit Metalldetektoren und Minensuchnadel die häufigste Methode. Da die Gefahren für den Menschen bei der manuellen Ortung jedoch sehr hoch sind, wird auch immer häufiger die Suche mit Tieren genutzt.

Manuelle Ortung

Im ersten Schritt der manuellen Ortung wird das minenverseuchte Gebiet mit dem einem Metalldetektor abgesucht. Da 70% aller verlegten Landminen antimagnetisch sind, können diese mit Metalldetektoren jedoch nicht geortet werden. Zudem wird die Suche durch Fehlalarme erschwert. Meist ist eine Vielzahl harmloser Metallsplitter in der Erde vorhanden. Sie lösen bis zu 90% der Fehlalarme aus. Sofern eine Mine durch den Minendetektor erkannt wurde, wird mit Hilfe einer Minensuchnadel die exakte Position, durch vorsichtiges Einstechen der Minennadel in den Boden, ermittelt.[2][3]

Tiere als Minensucher

Bereits seit einigen Jahren werden auch Tiere bei der Minensuche eingesetzt. Diese können durch ihren guten Geruchssinn Sprengstoffe (meist TNT) im Boden aufspüren. Neben Hunden können auch Ratten, Bienen und sogar Delfine hilfreich bei der Minensuche sein. Da die Bedenken von Tierschützern und die Ablehnung an der oftmals militärischen Verwendung von Meeressäugetieren für die See-Minensuche zugenommen haben, wird in diesem Artikel nicht näher darauf eingegangen.

Hunde

siehe Hunde

Ratten

siehe Ratten

Bienen

siehe Bienen

Minenräumung

Unter dem Begriff der Minenräumung wird die Entschärfung, Zerstörung oder kontrollierte Explosion einer Mine verstanden. Dabei kann bisher, trotz moderner technischer Mitteln auf den Einsatz von Menschen noch nicht verzichtet werden. Jedoch gibt es bereits zahlreiche Hilfsmittel, um die Arbeit der Minenräumer einfacher, sicherer und schneller zu gestalten.[2]

Um im Falle einer Explosion den Körper vor Metallsplittern zu schützen, sind für eine sichere Minenräumung Spezialanzüge zum persönlichen Schutz notwendig. Die Hände bleiben jedoch meist schutzlos der Gefahr ausgesetzt, denn gepanzerte Handschuhe sind nicht immer vorhanden.[4]

manuelle Räumung

Die manuelle Räumung ist die Entschärfung oder Sprengung der georteten Mine direkt durch einen Menschen. Eine Entschärfung erfolgt dann in der Regel per Hand, indem der Zünder unschädlich gemacht wird. Durch eine alternative Sprengung am Fundort wird die Mine mit einer Schlagladung zerstört. Dies geschieht bei Minen mit Aufhebeschutz oder nicht handhabungssicheren Minen.[2]

Mechanische Räumung

Bei der mechanischen Räumung ist der Mensch nicht mehr unmittelbar am Ort und somit nicht mehr der direkten Gefahr ausgesetzt. Dabei werden speziell entwickelte Maschinen eingesetzt, die sowohl die Minenerkennung als auch Minenentfernung durchführen. Siehe mechanische Minenräumgeräte

Pyrotechnische Räummethoden

Weitere Methoden zur Räumung von Minen stellen die pyrotechnischen Räummethoden dar. Mit dem sogenannten MICLIC-System, das Mine Clearing Line Charge, wird eine schmale Gasse minenfrei gesprengt, indem eine Rakete mit Hilfe einer Sprengschnur in das Minenfeld geschossen wird. Durch die entstehende Druckwelle der Explosion werden benachbarte Minen gezündet.[2]
Der entsprechende Panzer, der für diese Räummethode eingesetzt wird, verfügt dafür auf dem Turmdach über zwei mit C4-Sprengstoff versehende „Minenräumschnüre“ (Mine Clearing Line Charges – MICLIC) sowie über verschiedene Anbaugeräte für die Wannenfront.[5]

mechanische Minenräumgeräte

Bezug auf Landminen

Zur Unterstützung der manuellen Räumung von minenverseuchtem Gebieten, sind weltweit unzählige Minenräumfahrzeuge im Einsatz. Sie unterscheiden sich vor allem in ihrer Größe, ihrem Gewicht und Bedienweise. Meist werden sie durch einen Fahrer gesteuert. Es gibt mittlerweile jedoch auch Fahrzeuge, die aufgrund ihrer Größe ferngesteuert werden. Im folgenden wird jedoch nur eine kleine Auswahl von eingesetzten Minenräumfahrzeugen genannt und näher beschrieben.

MineWolf

"MineWolf“ (MW370)

Um vermintes Gelände durch die Sprengung aller bekannten Typen von Minen wieder betretbar zu machen, sind weltweit Geräte vom Typ „MineWolf“ (MW370), „Medium MineWolf“ (MW330) und „MiniMineWolf“ (MW240) der Firma „MineWolf Systems AG“ im Einsatz. Eine am Fahrzeug angebrachte Fräse gräbt sich je nach Typ bis zu 35 Zentimeter tief in den Boden und erfasst die Minen und bringt diese durch Auslösen des Detonators zur Explosion. Der MineWolf bewegt sich dabei mit maximal 6 km/h und schafft, je nach Typ, zwischen 5.000 m² und 30.000 m² minenfreies Gebiet am Tag. Im Vergleich dazu schafft eine Person in dieser Zeit gerade einmal 10 m². Die Vorteile dieser Minenräumgeräte liegen vor allem in ihrem geringem Gewicht und der schnellen Zerlegbarkeit. Sie sind leicht und flexibel zu transportieren und verhältnismäßig simpel zu bedienen.[6][7]

Eingesetzt wird der MineWolf in 19 Ländern von Regierungen, dem Militär, kommerziellen Organisationen und humanitären Organisationen:
Libanon, USA, Kolumbien, Chile, Georgien, Vereinigte Arabische Emirate, Angola, Kroatien, Sudan, Irak, Afghanistan, Schweiz, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Jordanien, Kongo, Zypern.[8]

MRPz Keiler

Minenräumpanzer "Keiler"

Der Keiler ist ein 53t schweres Vollkettenfahrzeug und wurde von der Firma MaK GmbH und Thyssen Henschel Wehrtechnik entwickelt. In den Jahren 1996 bis 1998 wurden 24 Fahrzeuge an die Panzerpionierkompanien der Bundeswehr ausgeliefert. Mit Hilfe einer hydraulisch angetriebenen Bodenfräse ist er in der Lage alle bislang bekannten Arten von verlegten Landminen zu räumen. Dazu fräst er sich mit 24 Räumelementen (Elefantenfüße), die entgegen der Fahrzeugrichtung rotieren, in den Boden. Die Minen in der gefrästen Gasse werden mit einer Räumwirksamkeit von 98% ausgelöst, zerstört oder zur Seite geschleudert.[9]

Krohn Mechanical Mine Clearance System (KMMCS)

Das KMMSC ist ein Kettenfahrzeug, welches mit einer Fräse im Frontanbau die gefahrlose und zuverlässige Beseitigung von Minen aller Kategorien und Stärken durchführt. Die Maschine arbeitet in zwei Arbeitsschritten: 1. mechanische Minenräumung, 2. Interne Qualitätskontrolle. Sie befreit so eine Fläche von bis zu 20.000 m² am Tag vollständig von Minen und gefährlichen explosiven Kampfmitteln.[10]

Nach umfangreichen Tests seit 1992 befindet sich das System bereits seit 1995 im realen Einsatz. Darunter in Mosambik, Kroatien und Deutschland.

Minenpflug an Panzer

T55-Panzer
M1-Abrams

Ein Minenpflug ist ein meist an einem Panzer angebrachtes Minenräumsystem, bei dem der Sprengkörper nicht entschärft oder zerstört, sondern lediglich zur Seite geschoben wird. Es werden zwei verschiedene Arten von Minenpflüge unterschieden: * Zwei getrennte Minenpflüge, die lediglich auf der Breite der Ketten der Fahrzeugs die Fahrspur von Minen befreien, * Keilförmige Minenpflüge, die, ähnlich eines Schneepfluges, über Räumschilder verfügen, die vorne keilförmig miteinander verbunden sind.[11]

KMT-Serie

Die KMT-Serie ist der Minenpflug des Warschauer Pakts. Diese werden beispielsweise an T-55, T-64, T-72 und T-80_Panzern angebracht.

Ramta TWMP

Der Ramta TWMP ist der Minenpflug aus israelischer Produktion. Verwendet wird dieser am australischen und dänischen Leopard-1-Panzer und am US-amerikanischen M1-Abrams.

Weitere bekannte Fahrzeuge

  • MgM Rotar
  • MgM Grader
  • MgM Mulcher
  • DIGGER D-1 bis D-3

Minenabwehrfahrzeuge

Bezug auf Seeminen

  • Minensuchboote
  • Minenräumboote
  • Minenabwehrdrohnen
  • Sperrbrecher
  • Minenjagdboote
  • Minentaucherboote

Bildungsmöglichkeiten

siehe Bildungswege

Entwicklungen und Projekte

siehe Neuentwicklungen

Erfahrungsberichte

Media

  • 360° - GEO Reportage - Die Minenratten von Tansania - D/F 2007, ARTE, 25.02. 2008 - "360° - GEO Reportage" begleitet eine Ratte von ihrer Geburt über das monatelange Training bis zu ihrem ersten Einsatz auf einem Minenfeld in Mosambik.
  • Minenräumen mit Schweizer Technik, SF - Einstein, vom 26.11.2009 - Alle 30 Minuten wird irgendwo ein Mensch durch eine Landmine verstümmelt oder getötet. Junge Techniker aus Tavannes im Berner Jura kämpfen gegen dieses Elend an. Sie entwickeln und bauen das Minenfahrzeug Digger. «Einstein» zeigt den neusten Prototypen.Stiftung Welt ohne Minen
  • Spürnase, SF - 10vor10, vom 12.06.2002 - Minen sind das grösste Problem, wenn nach einem Krieg die Soldaten abziehen und die Zivilbevölkerung in minenverseuchte Gebiete zurückkehren muss. Weltweit am stärksten vermint ist Afghanistan. Millionen von Minen gibt es aber auch in Afrika. Und dort, in Tansania, werden Ratten zur Minensuche eingesetzt.
  • IN AFGHANISTAN, SF - 10vor10 vom 26.02.2002 - 23 Jahre Krieg in Afghanistan haben eine gefährliche Minenverbreitung zur Folge. 10 Menschen treten noch heute täglich auf die zerfetzenden Sprengkörper; die Intervention gegen die Taliban hat zudem unzählige Blindgänger von Bombenabwürfen zurück gelassen.Seit über 2 Jahrzehnten ziehen Räumungsspezialisten durch dieses Land und versuchen, die tückischen Fallen zu entschärfen. Eine Reportage.

Weblinks

  1. Anti-Minen-Ausbildungszentrum am Stadtrand von Kabul
  2. Minenräumer wollen ihr Wissen weitergeben - 20 Jahre Erfahrung, CMAC
  3. Junge Tschetschenen lernen Minen suchen - Die Ausbildung bei einer märkischen Firma

Einzelnachweise

  1. Minenräumer
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Ablauf einer Minenräumung
  3. Die Beseitigung der Minen
  4. Schnell und sicher ans Ziel – die Räumung von Minen und Blindgängern
  5. Assault Breacher Vehicle
  6. Minenräumer made in Stockach
  7. MineWolf Systems AG
  8. Einsatzgebiete des "MineWolf"
  9. Minenräumpanzer Keiler
  10. KMMCS
  11. Was ist ein Minenpflug?
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